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Klimawandel im Reifenhandel |
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Das Geschäft mit Winterreifen steht erneut vor einer schweren Saison.
Immer mehr in schneearmen Gebieten verzichten auf sie
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Reifenhersteller müssen Zweckpessimisten sein. Mit den eisigsten Schneebildern fordern sie zum umrüsten auf und beschwören die
situative Winterreifenpflicht, die es gar nicht gibt. Denn erst wenn die ersten Flocken fallen,
steuert über ein Drittel der Autofahrer einen (Winter-) Reifenhändler an. Und es
werden auch in diesem Jahr wieder weniger werden. Zum schlechten Verkaufsklima
trägt auch der echte Klimawandel bei.
Das schwarze Gold der Autobranche hat viel von seinem Glanz verloren. Seit
Jahren befindet sich der Absatz im Sinkflug. Verkauften 2007 die gut 2000
Reifenbetriebe noch 53,4 Millionen Stück, waren es im vergangenen Jahr keine 45
Millionen Stück mehr. Für 2009 wird zumindest eine Stagnation erwartet, auch
eine Nebenwirkung der Abwrackprämie. Bei vielen Neuwagen passten die
Winterreifen des alten abgewrackten Schätzchens einfach nicht mehr.
In den vergangenen 15 Jahren sind nach Angaben des Bundesverbandes Reifenhandel
und Vulkaniseur Handwerk (BRV) die Verkaufspreise im Schnitt um über ein Viertel
gesunken. Von ADAC und Stiftung Warentest empfohlene Profile in populären Größen
sind von 50 EURO (Größe 185/60 R14) bis 70 EURO (205/55 R16) erhältlich. Die
jüngsten Tests finden sich auf den Internetseiten der beiden Organisationen.
Der Preisverfall hat auch die wenigen Anbieter von runderneuerten Reifen an den
Rand gedrückt. Ihr Preisvorteil ist fast dahin. Ihren unzweifelhaften
ökologischen Vorteil auf Grund eines wesentlich geringeren Energieeinsatzes in
der Produktion honoriert der Verbraucher nicht. Und im Gegensatz zu weiten
Teilen der Welt gilt im deutschen Autoland der meistenfalls völlig ausreichende
Ganzjahresreifen als nicht akzeptabler Kompromiss.
Die Kunden fahren aus wirtschaftlichen Gründen Ihre Reifen länger
Die Gründe für den Absatzrückgang sind schnell aufgezählt. Die
Gesamtfahrleistung aller 50 Millionen PKW in Deutschland stagniert seit Jahren,
die Reifen selbst halten länger und die Kunden fahren Ihre Reifen länger,
so Hans Jürgen Drechsler vom BRV in Bonn.
Am heutigen Mittwoch diskutieren die Vertreter der Reifenbranche über die
Aussichten für das kommende Jahr. Erwartet wird, dass die negative Entwicklung
fortschreitet. Und dass es durch Firmenzusammen-brüche zu einer Konsolidierung
des hart umkämpften Marktes kommt.
Nicht geholfen hat dem Winterreifengeschäft die Novellierung der
Straßenverkehrsordnung. Seit Mai 2006 ist (neben ausreichendem Frostschutz im
Wischwasser) eine "angemessene Bereifung" bei winterlichen Verhältnissen
vorgeschrieben. Die Lobbyisten, etwa die Hersteller-Initiative "Pro
Winterreifen", gaben sich große Mühe, die Formulierung in eine allgemeine
Winterreifenpflicht umzudeuten, wie sie beispielsweise in Österreich gilt - ohne
Erfolg.
Zuletzt war zum Beispiel von einer "situativen Winterreifenpflicht" in
Deutschland die Rede. Früher propagierte man die "Sieben-Grad-Regel" als
Temperaturgrenze für den Wechsel auf Winterreifen. "Eiskalter Schwindel" schrieb
der "Spiegel" darüber.
Eine Woche nach dem Sommerende 2009 wies der Bundesverband Reifenhandel schon
einmal vorsorglich auf die - auf Schnee und Eis unbestreitbaren - Vorteile
spezieller Winterreifen hin. Aber viele Verbraucher lassen sich nicht bange
machen. Klimawandel und milde Winter im Hinterkopf, wächst bei vielen in
Schnee-armen Gebieten die Bereitschaft, sich in den wenigen weißen Tagen auf
Sommerpneus durchzuschlagen oder den Wagen auch einmal stehen zu lassen.
Dabei ist bei angepasster Fahrweise nichts zu sagen. Ins Reich der
Lobbyisten-Märchen gehören Geschichten, dass man sommerbereift im Winter seinen
Versicherungsschutz einbüßen würde. Dies ist nur bei nachgewiesener grober
Fahrlässigkeit in der Vollkasko ein sehr seltener Fall.
Hinweis zum Reifengeburtsdatum - Die DOT-NUMMER
Bis zu 5 Jahre alte Reifen werden im Handel als Neuware verkauft, so
Reifenexperte Jürgen Tewes von Stiftung Warentest gegenüber dieser Zeitung (WAZ
Essen). Verbraucherschützer kritisieren seit langem, dass es keine klare
gesetzliche Regel gibt. Reifen verhärten mit der Zeit und verlieren unabhängig
davon, wie weit sie abgefahren sind, einen Teil ihrer guten Eigenschaften.
Gerade Winterprofile müssen flexibel sein und sind nach 7 Jahren nur noch
bedingt einsatzbereit. Nach 10 Jahren sollten Reifen laut ADAC aus
Sicherheitsgründen nicht mehr im Verkehr verwendet werden.
Das Geburtsdatum eines Reifens verrät die vierstellige, so genannte DOT-NUMMER
auf der Außenseite. Die ersten beiden Ziffern stehen für die Woche der
Produktion, die beiden folgenden Ziffern für das Jahr.
3407 bedeutet also 34. Woche 2007
Quelle: WAZ Essen 09.12.2009
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